EINE RUNDE ALTERSARMUT

Im Kurs Editorial Design 1, mit inhaltlichem Schwerpunkt auf Grundlagen der Typografie, mussten die Studierenden erneut eine Broschüre erstellen, in der die Lehrinhalte des Kurses aufbereitet sein mussten. Das hieß für alle: verstehen, verdichten, illustrieren, in einem eigenen Layout verorten, drucken, binden, und präsentieren. Die Ergebnisse fielen erwartungsgemäß recht gut aus. Leider gibt es immer noch Studierende, die inhaltlich treffend über Mikro- und Makrotypografie referieren, dies jedoch in der konkreten Umsetzung vermissen lassen. So hat sich auch dieses Semester wieder ein Student eingeschlichen, der die Notwendigkeit eines überlegten Satzspiegels anpreist, diesen jedoch selber in seiner Broschüre vermissen lässt. Dies führt retrospektiv jedoch eher zu einem Aha-Erlebnis und einem zeitlich verzögerten Lerneffekt. Im Rahmen der Broschürenerstellung halte ich fest, dass die Studierenden deutliche Ängste vor Druck und Bindung haben. Dies werde ich in Zukunft durch einen eingeschobenen Workshop glätten, denn für jeden Designer ist die Fähigkeit essentiell, sein gelayoutetes Werk über die Druckvorstufe auch korrekt drucken und binden, sprich finalisieren zu können. Dabei ist es enorm hilfreich, seine eigenen Grenzen kennen zu lernen. Dies konnten die Studierenden anhand einer Führung in der Medienagentur ABC-Medien inkl. angegliederter Druckerei durch Benjamin Zierock erfahren. Besonders interessiert waren sie an den Punkten Veredelung und experimenteller Mischformen im Layout. Besonders gut kam ebenfalls der obligatorische Besuch im Gutenbergmuseum (Mainz) an. Hier staunten die Studierenden über die handwerkliche Güte der handschriftlichen Bibel (nachdem sie selber mit Federhalter und Breitfeder experimentieren durften). Eine größere Herausforderung stellte die Auseinandersetzung mit dem Thema Altersarmut dar. Die Studierenden mussten eine Botschaft identifizieren und diese in Plakatform – rein typografisch – thematisieren. Dabei berührten einige Studierende sogar tiefere Wahrnehmungsebenen und identifizierten Akteure, die nicht auf den ersten Blick involviert sind. Von grafisch raffiniert bis herzerwärmend reichte die Ausstellung der Plakate, die in einer hochschulöffentlichen Vernissage präsentiert wurden. In den höheren Geschäftsebenen führte die bemerkenswerte Leistung der Designstudierenden zu lobender Anerkennung. Im Studiengang Crossmedia Design ist es aus der Sicht der Lehrenden im Bezug auf die Persönlichkeitsbildung essentiell, die Studierenden mit gesellschaftlichen, sozialen, historischen oder politischen Themen zu konfrontieren. In einer anschließenden Befragung äußerten sich die Studierenden positiv über diese Erfahrung. Da unser Bewertungskonzept COTES weiter gediehen war, konfrontierte ich die Studierenden mit diesem komplexen Schema. Wie zu erwarten überforderte dies die Erstsemester, so dass wir in Zukunft eine reduzierte Form verwenden werden, die die Studierenden langsamer an das Thema Bewertungskriterien heranführen soll.